Themen, die auf die Agenda kommen

Gepostet von am 4.  Oktober 2013, in Organisationsdesign | 5 Kommentare

Grobanalyse FachzeitschriftenWas wird aktuell überhaupt im Themenbereich Organisation diskutiert? Welche Themen stehen im Vordergrund? Was an Organisation Interessierte heute bewegt, wird kaum gültig erschliessbar sein. Eine kleine Auswertung über drei Jahre aller Beiträge in zwei Fachzeitschriften, die das Wort „Organisation“ im Titel führen, zeigt aber zumindest, welche Themen mit welcher Häufigkeit auf die Agenda kommen. Und damit die Chance haben, in breiteren Kreisen zur Diskussion zu gelangen.


Was ausgewertet wurde

Ausgewertet habe ich für diese Analyse alle Ausgaben der beiden Fachzeitschriften „OrganisationsEntwicklung“ und „zfo“ (Zeitschrift Führung + Organisation) für die Jahre 2010, 2011 und 2012. Beide Zeitschriften fokussieren sich auf das weitere Umfeld des Themenfeldes Organisation, das sie jeweils aus unterschiedlicher Perspektive und mit unterschiedlichen Schwerpunkten beleuchten. „OrganisationsEntwicklung“ erscheint vier Mal pro Jahr, die „zfo“ hat sechs Ausgaben pro Jahr. Die Druckauflagen liegen gemäss Verlagsangaben bei 8‘600 für die „OrganisationsEntwicklung“ und bei 4‘000 für die „zfo“. Die Anzahl Artikel pro Jahr sind trotz unterschiedlicher Erscheinungshäufigkeit vergleichbar und schwanken zwischen 50 und 65 pro Jahr. Insgesamt habe ich 341 Beiträge ausgewertet.


Wie ausgewertet wurde

Diese Auswertung habe ich anhand der Titel der Fachartikel und zwecks besserer Zuordnung anhand ihrer Leads durchgeführt. Dabei sind ähnliche Artikel nach ihrer hauptsächlichen thematischen Ausrichtung in grösseren Themenkategorien gebündelt worden. Diese Bündelung ist zugegebenermassen bis zu einem gewissen Grade unscharf, da Artikel manchmal mehrere Akzente setzen.

Die Auswertung erfolgte pro Jahr und Zeitschrift für die Jahre 2010, 2011 und 2012. Am Ende habe ich die Themenkategorien über alle Jahre und Zeitschriften summiert und nach Häufigkeiten ausgewertet.

 

Mit was sich die Fachzeitschriften befassen

Um sich den in den Zeitschriften behandelten Inhalte einfacher anzunähern, lassen sich die Artikel zuerst in vier grössere Felder gruppieren:

  1. Inhaltliche Themen: Artikel, die sich mit konkreten Themen auseinandersetzen, die einen näheren oder weiteren Bezug zur Organisation aufweisen (z. B. Prozessmanagement oder Change Management).
  2. Ansätze/ Theorien/ Arbeitsweisen/ Berufsbilder: Artikel, die sich mit übergeordneten Ansätzen und Theorien auseinandersetzen oder sich mit der Arbeitsweise und den Berufsbildern von Professionals im behandelten Themenfeld beschäftigen.
  3. Instrumente und Methoden/ Fallstudien: Artikel, die konkrete Tools und Methoden vorstellen oder Problemstellungen im konkreten Kontext von Fällen aus der Praxis illustrieren.
  4. Diverse Themen: Artikel, die thematisch sehr unterschiedlich gelagert sind und sich für diese Auswertung nicht sinnvoll haben gruppieren lassen.

Es zeigt sich, dass sich gut die Hälfte der Fachartikel mit konkreten inhaltlichen Themen befassen, während dem ein weiteres Viertel der Artikel Hilfestellungen in Form von Instrumente und Methoden bzw. Illustrationen aus der Praxis geben. Diese Verteilung verdeutlicht das folgende Schaubild:

Grobanalyse Fachzeitschriften

Zwischen den beiden Fachzeitschriften gibt es übrigens bezüglich dieser Segmentierung der Artikel keine grösseren Unterschiede.

 

Welche Themen auf die Agenda kommen

Welche Themen kamen nun konkret auf die Agenda der beiden Fachzeitschriften „OrganisationsEntwicklung“ und „zfo“? Die differenzierte Betrachtung der oben vorgestellten vier grösseren Felder in Themenkategorien erlaubt es, dazu Aussagen zu machen. Besonders interessiert natürlich, was sich genau hinter dem Feld „Inhaltliche Themen“ verbirgt. Die entsprechende Auswertung mit Häufigkeiten zeigt das untenstehende Bild (für eine grössere Abbildung diesem Link folgen):

Fachzeitschriften-Detailanalyse

Zwischen den beiden Fachzeitschriften werden nun übrigens grössere Unterschiede deutlich, womit ihre Positionierung im Markt präzisiert wird. So werden beispielsweise Führungsthemen hauptsächlich in der „zfo“ behandelt, während dem Change Management hauptsächlich in der „OrganisationsEntwicklung“ thematisiert wird.

 

Was mir aufgefallen ist

Was mir aufgefallen ist, sind weniger die eher prominent vertretenen Themen sondern vielmehr jene Themen, die in den Jahren 2010 bis 2012 weniger behandelt wurden:

  • Die Themenkategorie „Restrukturierungen/ Downsizing/ Rightsizing/ Krise/ Reorganisation“ war erstaunlicherweise trotz Krisenjahren kein wirklich grosses Thema auf der Agenda. Ist dies die Folge des Glückes, dass wir insgesamt im deutschsprachigen Raum recht glimpflich durchgekommen sind?
  • Das Thema „Projektmanagement“, das in Ausbildungsgängen in den letzten Jahren auf sehr grosse Resonanz stösst, wurde nur marginal beleuchtet. Allerdings ist dazu zu sagen, dass einige der vorgestellten Instrumente und Methoden sich mit dem Thema befassen.
  • Dass die Themenkategorie „Internationales Management“ nicht prominenter im Vordergrund stand, hat mich wirklich überrascht. Die Internationalisierung hat doch gerade für organisatorische Themen mannigfaltige Konsequenzen, die es zu bearbeiten gilt und für die Lösungen zu finden wären.
  • Die Themenkategorie „Kundenorientierung“ schliesslich fristet geradezu ein Mauerblümchendasein. Offensichtlich scheinen diesbezüglich alle Herausforderungen gemeistert zu sein…

Eher Fragen, weniger Antworten.

Und was fällt Ihnen auf?

 

5 Comments

  1. willi glaeser
    4. Oktober 2013

    Ich vermisse Begriffe wie Nutzenorientierung und Wirkungsorientierung – was nicht nutzen- und/oder wirkungsorientiert ist bleibt auf der Strecke

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  2. Stefan Studer
    4. Oktober 2013

    Super Beitrag, danke! Zu Deinen Ausführungen bzgl. Projekt Management könnte man ergänzen, dass es in dieser Disziplin ja auch zahlreiche eigenständige Fachzeitschriften gibt?

    Ein Vorschlag wie Deine (bestimmt aufwändige!) Recherchearbeit zusätzlichen Nutzen stiften könnte: würdest Du die Details (z.B. welche Fallstudien sind wann ich welcher Zeitschrift erschienen) ebenfalls verfügbar machen? Interessant wäre das tatsächlich für die eher dünn besetzten Kategorien: Restrukturierung, Berufsbild, Org-Formen und Trends, …

    Herzliche Grüsse
    Stefan

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    • Andreas Wenger
      15. Oktober 2013

      Stefan, ich nehme Deine Anregung gerne auf. Bisher ist die Detailauswertung nur sehr summarisch gemacht, hole das gelegentlich aber nach und mache das Resultat dann zugänglich.
      Beste Grüsse
      Andreas

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  3. Norbert Thom
    4. Oktober 2013

    Eine sehr nützliche Analyse.
    Auch für Herausgeber, Beiräte, Redaktoren etc. beider Fachzeitschriften sehr beachtenswert.

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  4. Erich Wiesendanger
    29. Oktober 2013

    Die beiden Zeitschriften werden ihrem Namen insofern gerecht, als sie die inhaltlichen Schwerpunkte danach ausrichten (mehr Führung in ZFO, mehr Change in OE). Dass Instrumente und Methoden stark vertreten sind, wundert mich nicht, zumal es haufenweise davon gibt. Führung/Unternehmensführung scheint mir das wichtigste und heikelste Thema zu sein. Viel beschrieben, und doch scheint mir die Ursache für wirtschaftlichen Schlamassel primär dort zu liegen (Ziele, Anreize, Selektion, Kommunikation etc.).
    Die dünn gesäte Kundenorientierung dürfte wohl eher in den Marketing-Postillen Erwähnung finden, von denen es doch einige gibt.

    Die Länge der Artikel (und damit tendenziell deren Tiefe) scheint mir nicht unwesentlich. Vielleicht unterstelle ich auch etwas, wenn ich hier von einem „Verkäufermarkt“ schreibe. Welche Autorengruppe ist aktiver mit Publizieren? Wissen wir, welche Artikel (wirklich) gelesen werden? Zudem lassen sich Themen von der einen oder anderen Seite beleuchten, was wiederum vom Blickwinkel des Autors abhängt.

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