Der Blick auf das Wesentliche

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Immer auf Draht, gejagt und gehetzt, ständig am Verbessern und Optimieren. Prozesse vereinfachen und beschleunigen, neue Regeln einführen und alte anpassen, Kosten senken. Mit den täglichen operativen Herausforderungen im Kampf, Termine und Projektsitzungen einhalten und ständig hundert Ansprüche unter einen Hut bringen. Schon wieder zehn neue Mails in der Inbox, dabei sind noch 83 nicht beantwortet. Herr Müller und Frau Meier warten auch noch auf einen Rückruf.

Das Ganze halt! Um was geht es eigentlich hier genau? Warum genau machen wir das, was wir tun? Was ist das Wesentliche?

Die Organisation ist eine äusserst wertvolle Ressource und ein ganz wesentlicher Stellhebel für den Erfolg jedes Unternehmens und jeder Institution. Gut aufgestellt erlaubt sie uns beispielsweise, ambitiöse Ziele zu erreichen, komplexe Tätigkeiten mit sehr unterschiedlichen Ressourcen über grosse Distanzen zu bewältigen, mit einer hochstehenden Leistungserstellung Kunden zu begeistern, wiederkehrende Aufgaben in der Bearbeitung effizient abzuwickeln und Mitarbeitende auch in grossen Einheiten zu führen.

Schön beschrieben, aber meist funktioniert es ja dann nicht genau so problemlos wie im Lehrbuch. Als sozio-technisches System wirken in jedem Unternehmen und jeder Institution ständig wir Menschen auf die festgelegten Abläufe, Strukturen und Regeln. Einige Beispiele wie wir Menschen wirken, weder abschliessend noch vollständig (selbstverständlich überzeichnet und jeder Lesende ausgenommen):

  • Mit einem Hang, Bürokratie wachsen zu lassen (und damit auch erwähnte Abläufe, Strukturen und Regeln). Ja genau: eine Erinnerung an das Parkinsonsche Gesetz: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht“.
  • Durch Entscheidungsverhalten und Entscheide, die zwar immer wieder, aber nicht durchgehend logisch und rational sind. Eindrücklich und äusserst illustrativ beschrieben im jüngsten Buch von Ulrich F. Zwygart „Irrationale Topmanager“.
  • Durch den Einfluss des organisatorischen Systems per se auf unsere Wahrnehmungen und unser Verhalten in Organisationen (Orientierungsfunktion). Unter anderem wird dadurch mitbeeinflusst, welche Probleme wir in erster Linie wahrnehmen und mit welchen Prioritäten wir sie abarbeiten.

Pixar

Einen humorvollen und gleichzeitig doch ernsthaften Blick auf diese Themenstellung wirft folgender Ausschnitt aus dem Film „Die Unglaublichen“ der Pixar Animation Studios. Darin wird Bob, ein Superheld, mit dem Thema „Bürokratie und Wesentlichkeit“ konfrontiert, worauf die Situation eskaliert…

Lösungen? Ich habe leider keine Patentrezepte und auch die „Endlösung“ von Bob ist wohl nicht der Weisheit letzter Schluss. Doch Bobs Blick zum Fenster hinaus, das Erfassen der Situation draussen und das Einbringen in den Kontext seiner Arbeit ist demgegenüber ein guter Ansatz. Übertragen könnte das zum Beispiel auf Fragen hinaus laufen wie „Was ist eigentlich meinen Kunden wichtig? Was haben Sie für Bedürfnisse, wie kann ich Ihnen wirklich helfen?“. Also die Aussensicht mit der Innensicht verknüpfen.

Es geht hier weniger um Effektivität oder Effizienz, sondern mehr um die grundsätzlichen Ziele und die Sinnhaftigkeit der Mittel – insbesondere der organisatorischen Mittel – die wir zur Erreichung dieser Ziele einsetzen. Und insbesondere um die Reflektion darüber.

Vielleicht einmal diesen Sommer? Das Ganze halt. Um was geht es eigentlich hier genau? Warum genau machen wir das, was wir tun? Ein Blick auf das Wesentliche werfen.

Viel Erfolg – ich wünsche einen guten Sommer!

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